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Jörg Grosswildjäger


Alter: 38 Tierkreiszeichen:  Mit dabei seit: 22.10.2003 Beiträge: 50
Wohnort: Innsbruck
Neon-Punkte: 142
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Geschrieben: 02.01.2004 - 17:06 Titel: Blaualgen |
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Hallo Alle !
Bei mir haben leider über die Feiertage die Cyanobakterien zugeschlagen (aka "Blaualgen") und das vorher eh schon angegriffene Javamoos, tlw den Kies und von dort ausgehend manche Pflanze mit ihrem modrigem ,stinkenden Belag überzogen ("Biolayer") . Hab mich sofort in die Literaturrecherche gestürzt: drta, Jürgens Algenseite, Deters Forum , the krib war sehr umfangreich, holländische Seiten über Redfield Ratio (Jürgen dir als Ökologe, sagt dir das was ? wie gut ist dein holländisch ?) und und und ... Da ich an Medikamenten, Antibiotika wie Erythromycin und Algiziden (gegen Baks?) nichts da hatte, hab ich die totale Verdunklungsmethode probiert. Seit Sonntag liegt nun eine Decke und ein Schlafsack (mein -30 °C Luxusmodell) ùberm AQ und lassen kein Licht rein.... mal schauen wie das die Pflanzen überstehen.
Wenn man die diversen Seiten im Netz durchgeht, trifft man auf die sonderbarsten Bekämpfungsmethoden, die Amis tendieren offenbar zum Antibiotikaeinsatz, die traditionelle Methode ist Verdunkeln. Manche raten den Fischbesatz zu erhöhen, dabei die Stickstoffausscheidung zu erhöhen und das Verhältnis NO3:Phosphat in das als optimal angesehene Verhältnis 16:1 zu erhöhen. Was mir am besten gefällt hab ich bei*Einloggen, um Links zu sehen
gefunden, nämlich nicht gegen die Algen , sondern für ein besseres Pflanzenwachstum zu kämpfen.
Was ich jedoch hier zur Diskussion stellen möchte ist eine Aussage auf man in Bezug auf Cyanos fast immer trifft:
Blaualgen seien Schlechtwasserindikatoren (gemeint ist wohl ein zu hoher NO3 Wert)
- Ich kenn zwar meinen NO3 Wert nicht (eigtl. eine Schande ...) aber es kann im freien Wasser nach menschl. Ermessen kaum vorliegen, weil
a.) mehrere Tage gar nicht gefüttert wurde (Weihnachten)
b:) ich zweitägig 20 liter aus insgesamt 100 lt Wasser wechsle, seit Wochen
c.) keine faulenden Fische herumliegen
Jürgen schreibt in seiner Algenhilfe über Blaualgen
Ursache:
"Biologisches Ungleichgewicht im Aquarium, hervorgerufen durch z.B. Filtermassenwechsel oder vernachlässigte Wasserwechsel. Oft ist mit Blaualgenwachstum ein erhöhter Nitrit-Wert messbar und ein hoher Nitratgehalt vorhanden. Bei massivem Blaualgenbefall herrscht Gefahr für Ihre Fische!
Testen Sie die vier wichtigsten Wasserparameter: Gesamthärte (GH), Karbonathärte (KH), pH-Wert und Nitrit/Nitrat-Wert (NO2, NO3) ... "
Warum soll man die Härte testen ? Wär es nicht besser Phosphat und NO3 zu testen ? Ein hoher Nitritwert sprricht wohl eher dafür daß der N- Abbau noch nicht funktioniert (Einlaufzeit)
Zum hohen Nitratgehalt:
Robert Miehle hat 37 "Blaualgenberichte" in der drta ausgewert. Dabei zeigt sich ein Schwerpunkt des Auftretens im >niedrigen< NO3 Bereich
hier als tabelle:
NO3 in mg/l Anzahl Berichte
0 11
1-5 4
6-10 13
11-15 3
16-20 0
21-25 3
26-30 2
46-50 1
Er folgert daraus: "Das Ergebnis, daß Blaualgen vorrangig bei niedrigen bis nicht nachweisbaren Nitrat-Werten auftreten, kann eindeutiger fast nicht sein. Die in manchen Büchern zu lesende Aussage, daß Blaualgen Schlechtwasserindikatoren seien, ist meiner Meinung nach für die meisten Aquarien nicht zutreffend" Dem Satz in der Algenhilfe, Blaualgen träten vermehrt bei hohen NO3 werten auf, wiederspricht diese Erfassung.
Manche Cyanos (Anabaena) sollen in der Lage sein über sogenannte Heterocysten atmosphärischen Stickstoff aufzunehmen, so könnte man erklären, daß sie, wenn N zum Mangelfaktor wird, den anderen Pflanzen überlegen und die reichlich vorhandenen übrigen Nährstoffe anderenstatt aufnehmen. Zb wachsen in den Tropen auf Hausmauern aus Beton bestimmte Cyanos, denen nur Regenwasser und Luft zur Verfügung steht.
Eine Möglichkeit wie denn die Cyanos in meinem AQ auch noch an Nitrat und Phosphat gekommen sein können, wär die rel. gute Fütterung der laichenden Buntbarsche. Damals (Anfang November) hab ich tatsächlich gut gefüttert, mehrmals täglich und es ist sicher auch mal das eine oder ander Granulatkörnchen daneben gegangen. Die Cyanos könnten diesen vermehrten Nährstoffeintrag dann in ihre Pflanzenmasse eingebaut haben. Mein Ziel ist es jetzt, die Cyanos zu töten (ja !), dabei die gebundenen Nährstoffe durch WW in der Dunkelphase schon zu entfernen und danach vorsichtig, evt. mit einem anderen Futter, sparsamst weiterzufüttern und auch den Pflanzen mal etwas Dünger zukommen zu lassen. Mein Konzept, durch reichliche WW Nährstoffe und Spurenelemente aus dem Leitungswasser heranzuschaffen, ist offenbar nicht ganz aufgegangen.
Was mir aber noch unklar ist:
Wenn Cyanos so häufig bei erhöhten Nitratbelastungen auftreten sollen, (oder eben, weil NO3 nach Liebig nicht mehr Minimum ist, von Höheren Pflanzen übertrumpft werden) wieso tauchen sie dann so selten in den Becken der Zoohandlungen auf, dort herrschen in den Fischbecken doch für Pflanzen eher ungünstige Verhältnisse:
* wenig Licht
* massiver Überbesatz (1)
* seltene Wasserwechsel (2)
* Pflanzen ohne echte Wurzeln und aussickernder Flüssigdünger aus dem Steinwollewurzelkorb
Sind "Blaualgen" in der Intensiv-Fischhaltung ein häufigeres Problem ? Oder schlägt man sich da eher mit Rot/Grün/Braun(diatomeen)-algen herum ?
Wie waren die Becken besetzt, in denen bei Euch, Leo, Tankkiller, Jürgen (bisher "Blaualgenexplosionen" stattgefunden haben ??
Zitat: aus Aquaristik im Detail/Pflanzen/Schon wieder Blaualgen -Seite 1
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hiermit bestätigst Du meine eigenen Beobachtungen! Seit ich wieder viel Fisch im Becken habe, sind die Blaualgen verschwunden...das liegt an der stärkeren Belastung, wenn es die "Reinwasserform der Cyanos" ist, meine Meinung! Da ich aber auch andere Maßnahmen durchgeführt habe, kann ich nur sagen, es war das Gesamtpaket an Maßnahmen, das bei mir geholfen hat! Dazu gehörte Wechsel des Fischfutters, Dunkelkuren 4-5 mal, unterlassener Wasserwechsel und Aufstockung des Fischbestandes u.v.m.!
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Diese Erfahrungen kann ich nur bestätigen: Leichte Erhöhung des Besatzes, Einstellung des WW für ca 3-4 Wochen, anderes TroFu und mehr FroFu, gleichmäßigere Düngung, leichte Erhöhung des NO3 Wertes.
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(1) jedenfalls mehr als jede cmFisch/lt Wasser Regel angibt
(2) nehm ich mal an, Jürgen und seine Crew vielleicht ausgenommen )
Jörgls Lesetips:
*Einloggen, um Links zu sehen
und als Buch : Streble/Krauter : Kosmos Naturführer "Das Leben im Wassertopfen" Mikroflora und Mikrofauna des Süßwassers
Danke allen die bis hierher durchgehalten haben!
Jörg
PS: Die Bilder zum EckHMF sind nicht vergessen, sondern kommen noch, "per Kurier". |
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Jürgen Support Team


Mit dabei seit: 31.01.2003 Beiträge: 1213
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Geschrieben: 02.01.2004 - 20:06 Titel: Re: Blaualgen |
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Hallo Jörg,
einen sehr umfassend recherchierten Artikel über die Blaualgen-Problematik hast Du da verfasst.
Ich versuche jetzt mal auf die Schnelle nicht auf Deine angesprochenen Referenzseiten einzugehen (sonst wirds ein ähnlich umfangreiches Posting wie Deins , sondern meine Erfahrungen mit Blaualgen, also: warum sie entstehen, darzulegen.
Mir fallen dazu folgende "Gründe" ein:
1. Alles richtig gemacht, trotzdem Blaualgen (angenommen das Becken läuft schon einige Zeit und ist biologisch "stabil"): Pech gehabt, eine bessere Erklärung fällt mir nicht ein. Möglicherweise haben die Cyanobakterien plötzlich ein Wuchsoptimum vorgefunden, ein "biologisches Hintertürchen" gefunden, das eine Massenvermehrung unter den geg. Verhältnissen ermöglichte. Manche Pflanzen können Ihre Umweltbedingungen zu ihren Gunsten verändern, indem sie durch Repellents andere Organismen im Wachstum (be)hindern. Wenn man z.B. Kiefern pflanzt wird der Säuregehalt im Humus durch abfallende Nadeln dahingehend verändert, dass kaum noch andere Pflanzen, geschweige denn andere Baumarten darunter aufkommen können. Sicher arbeiten auch viele Mikroorganismen mit dieser chemischen "Verdrängungs"-Methode.
2. biologisch instabile Aquarien, z.B. nach Neueinrichtung oder gröberen Eingriffen ins biologische System: Nun, ausgehend von Punkt eins möchte ich vermuten, dass in einem funktionierenden Aquarium die Ressourcen auch unter den Algen aufgeteilt sind. Schwanken die WW daher ständig, ändern sich auch die Ressourcen bzw. finden ständige Verschiebungen im Wachstumsoptimum der verschiedenen Algenarten statt. Der Vorteil von Cyanobakterien bzw. Blaualgen liegt dann, so wies scheint, in der grossen Anpassungsfähigkeit an die verschiedensten Umweltbedingungen. Die Zwischenstellung zwischen Alge und Bakterium begünstigt die Blaualge von der Bakterienseite her die insofern, als bei der Vermehrungsgeschwindigkeit kaum eine andere Algenart mitkommt. Vielleicht noch die Kugelalge Volvox oder eine der kurzfädigen Grünalgen, die ebenso explosionsartige Vermehrungsmuster ausbilden können. Allerdings scheint mir bei den letztgenannten Arten eine vermehrte Häufigkeit im jahreszeitlichen Rhythmus feststellbar zu sein, und zwar immer in Verbindung mit einem Nährstoff-Überangebot, was man bei den Blaualgen nicht immer feststellen kann.
Hohe Phosphat oder Nitrat-Werte stellen alleine gesehen keine Garantie für ein Blaualgenwachstum dar, ein Blick in (Diskus)-Zuchtanlagen mit tw. schwindelerregenden Nitratwerten im Aufzuchtwasser wird praktisch nie Blaualgenwuchs ergeben. Ich vermute einmal, dass eine gewisse Summe von Faktoren Blaualgen begünstigen können, ähnlich wie viele Faktoren insgesamt das Pflanzenwachstum fördern und nicht ein starker Reiz (z.B. Beleuchtung) für das Pflanzenwachstum ausschlaggebend ist. Die Suche nach diesen Faktoren ist, ähnlich wie beim "optimalen" Pflanzenaquarium, wenn das Pflanzenwachstum trotz aller lehrbuchmässigen Bemühungen nicht 100 % überzeugend ist, eine Suche nach der berühmten "Nadel im Heuhaufen".
Zu den Bekämpfungsmethoden: Verdunkeln ist sicher eine gute Methode, eine einwöchige Dunkelhaft sollte den allermeisten Pflanzen keinen Schaden zufügen, mal von Haarnixen und ähnlichen feinfiedrigen Pflanzen abgesehen. Ich könnte mir auch vorstellen, dass man nach diesem Zeitraum, auch wenn die Blaualgen nicht komplett verschwunden sind, eine Erholungsphase von 3 Tagen einlegt, um den Pflanzen die notwendigsten Stoffwechselprozesse wieder zu erlauben. Anschliessend könnte man ja diese Dunkelphase noch einmal wiederholen. Zumindest erreicht man in der ersten Dunkelphase einen Wachstumsstopp, die Pause dazwischen sollte den Pflanzen genügen dass sie mit den evolutionären Vorteilen Höherer Pflanzen einen Vorsprung gegenüber den Blaualgen haben und den auch ausnützen können.
Die Blaualgen selber sollten für die Fische keine Gefahr darstellen, auch wenn ich vom Kryptogamen-Lehrgang noch im Hinterkopf habe, dass es Algenarten gibt, die Giftstoffe absondern können. Vielleicht ist dieses Hintergrundwissen beim Philipp noch etwas frischer und er findet das Scriptum vom Bortenschlager noch
Ich hatte auch nie Ausfälle durch Blaualgen selber zu beklagen (oder davon gehört), sondern immer nur durch die neg. Begleiterscheinungen bzw. Grundvoraussetzungen, die in instabilen Wasserwerten zu suchen sein können.
Sicher, man kann sich Blaualgen einschleppen, wenn man eine sichtlich befallene Pflanze in sein Aquarium gibt; aber Garantie, dass man dann eine Massenvermehrung bekommt, ist das keine. Wenn allerdings eine Nische oder Ressource in diesem Becken vorhanden ist, die auf die Neuankunft dieser vergleichsweise "grossen" Massen (ich rede von einem fast unsichtbaren Befall vereinzelter Blätter, stark befallene Pflanzen wird sich ohnedies niemand freiwillig in sein Becken geben) von Blaualgen nur "gewartet" hat, kann eine Algenblüte erfolgen.
Mein (kleines, vorläufiges) Resumee: auch in einem stabilen Becken können Blaualgen auftreten, auch wenns umso unwahrscheinlicher wird, je besser der begrenzte Lebensraum für die Pflanzen optimiert wurde. Allerdings könnten diese "Invasionen aus heiterem Himmel" genausogut durch Schwebealgen oder Infusorien erfolgen, und nicht immer nur Blaualgenwachstum begünstigen, wenn sich die Voraussetzungen (Wasserchemie, Nährstoffangebot, biologische Stabilität durch "eingesessene" Mikroorganismen oder Algen) nur unmerklichst unterscheiden oder auch nur "zufällig" und kurzfristig in ein für die jeweiligen Plagegeister stimmiges Vermehrungsoptimum verschieben.
Anmerkung: die Bekämpfung von Cyanobakterien mit Antibiotika, soferne das möglich ist, halte ich für eine Niederlage aquaristischen Könnens. Klar, diese Betrachtungsweise ist genausogut auf Algenmittel anwendbar. Aber mir sträubts einfach das Nackenfell bei dem Gedanken, ein Antibiotika gegen Algen einzusetzen; obwohl vom logischen Standpunkt her sicher was dran ist, den biologischen "Zwitter" Blaualge an seiner bakteriellen Wurzel (Vermehrungsform) zu bekämpfen und damit die pflanzliche Lebensform (Erscheinungsbild) zu unterbinden. Werd mich da wohl doch ein wenig einlesen müssen
Lg
Jürgen |
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Leo Zoo-Direktor


Alter: 40 Tierkreiszeichen:  Mit dabei seit: 04.10.2003 Beiträge: 269
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Geschrieben: 02.01.2004 - 20:11 Titel: |
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Hallo Jörg!
Erstens: mein Beileid.
Zweitens zu Deiner Frage, wie die Algenbecken bisher besetzt waren:
Bei mir auch immer schwach!
Aber ausnahmslos.
Schwebealgen-Katastrophe in Fritzens: Schwache Besetzung! 2 Platys und 5-6 Kardinalfische
im 60-cm-Becken – da war aber auch die Sonne mit im Spiel...
Bartalgenkatastrophe „zu Hause“ bei Papa: wenig Fische+viel Futter+wenig Wasserwechsel...
Aktuelle Algenkatastrophe im 60cm-Becken: Wenig Fisch (6 Kardinalfische) auf 60-cm-Becken....hervorgerufen durch die Hitze im Sommer? Hab’ das Becken E. September ausgeräumt, „Großputztag“ gemacht – und finde, das war nicht gescheit – es ist bisher nur leicht besser geworden, ich hoffe, es war „nur“ die ausgefallene Bodenheizung....die läuft inzwischen wieder und naja – muß noch um etwas Geduld bitten!
Die Urkatastrophen mit Algen in Anfängerzeiten: Durchwegs kamen die Algen nach dem „fast aussterben“ der Becken.....
Was ich bei Deinem Becken nicht und nicht verstehe: Bei so häufigem Wasserwechsel gibt's das wirklich? Das wundert mich, weil ich „aus reinem Bauchgefühl heraus“ bei viel Algen größere Wasserwechsel mache... und das hilft bei mir schon sehr....allerdings spreche ich da nicht von Blaualgen...
Meine Mini-Pfütze (Quarantäne-Becken) ist defacto algenfrei, wohl weil der Filter bei Besatz 0 durchläuft und auch überhaupt kein Sonnenstrahl da reinfällt. Das wundert mich auch manchmal. Ich gebe z.B. einen Bund Pflanzen vom großen Becken da rein, mit etwas Fadenalgen drauf, die verschwinden binnen Tagen, werden blaß und fallen ab...(ohne daß ich meine Psycho-Terror-Methode anwenden muß)
Allerdings fallen da die Wasserwechsel im Verhältnis groß aus – es faßt randvoll 23-24 Liter und wenn ich wechsle, dann immer einen Eimer (9-10 Liter) voll, nach dem Motto: Wenns laft, loß laafen (das Wasser)... und das Licht da drin ist nur eine Glühbirne – mehr eine Glühfunzel...
... und ich hoffe, du hast einige Deiner Pflanzen in Form von Ablegern vor der Dunkelphase gerettet...
....schafft eine Allaun-Lösung auch Blaualgen? (Bei der Pflanzendesinfektion?)
....und da die Blaualgen ja auch auf Betonmauern im Freien wachsen, nehme ich an, daß die Dinger „omnipräsent“ sind?!
zurück zum schwachen Besatz: Vielleicht brauchen die Eiweiß-Zersetzer-und Umbauer eine gewisse Menge "Abfall" um sich anzusiedeln bzw. zu halten und sie werden weniger, wenn im Wasser weniger rumschwirrrt - und schaffen es dann nicht mehr, wenn aus irgendeinem Grund "mehr" Abfall da ist, weil sie sich langsamer vermehren, als wir glauben...ist eigentlich für mich die einzig logische Erklärung...
Und es gibt Empfehlungen im Internet, wo die schreiben, man soll bei täglicher Kontrolle der Wasserwerte, ein stück Fleisch ins Becken hängen – also bewußt das Wasser ruinieren – als hilfe gegen Algen....aber ich empfehle das nicht zur Nachahmung, das gefällt mir überhaupt nicht!
Und: Es scheint jedes Becken anders zu reagieren, sonst gibt es das nicht, daß zwei Becken, die nebeneinander stehen, so unterschiedlich ausschauen – vom „Algenstatus“ her gesehen, glaube ich, daß jedes meiner Becken „sein eigenes Geheimnis“ hat und ich glaube, wenn ich in 3 von 4 Becken kein Problem hab’, bin ich eh’ nicht sooo schlecht am Weg...
Aja: Warum gibts in der Zoohandlung keine/so wenig Algen?
(Das hab’ ich mich auch schon gefragt...)
Mein Tipp ist das Licht: Die Fische sehen nämlich immer gut aus, die Pflanzen in den Fischbecken sieht man nicht richtig wachsen...lichtbedürftige Pflanzen kümmern sichtlich in den Fischbecken...
Und der Kies sieht manchmal auch brandneu aus!
Und beim Jürgen gibt’s dieses Becken voller „Algen-Streifen-Polizisten“ und ich glaube, wenn da so 30 Stück hungrig sind putzen die ein Becken „über Nacht“.....(die Rüsselbarben)
Und die Pflanzen stehen ja auch nicht ewig rum - ich frage mich oft, wer das alles wegkauft - mir ist einmal bei Jürgen eine Lieferung mit sehr sehr schönen Dennerle-Pflanzen aufgefallen, die war binnen Wochenfrist bis auf zwei oder drei weg!
Muß aber zugeben: Vor dem Einzug der CO2-Anlage war ich auch ein guter Pflanzen-Kunde...
Und in der Gärtnerei haben die sicher was gegen Algen im Wasser (Fische habens ja dort hoffentlich keine), weil die wollen ja auch schnell brüten, das geht nur mit viel Licht und viel Dünger und wenn die das ohne Mittel gegen Algen hinkriegen, möchte ich gerne ’mal eine solche Wasserpflanzengärtnerei besichtigen gehen....
Und ganz zum Schluß: sollten wir, die wir uns Aquarianer nennen nicht „Algen-Guards“ heißen, denn eigentlich denkt man über diese Winzlinge im Verhältnis viel nach und eigentlich halten die einen mindestens so auf Trab, wie der „Rest“ – also Fische und Pflanzen und technisches und Lebendfutterfang/zucht....
das meint mit lieben Grüßen
Leo |
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Jürgen Support Team


Mit dabei seit: 31.01.2003 Beiträge: 1213
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Geschrieben: 03.01.2004 - 05:11 Titel: Re: Blaualgen |
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Hallo,
Hab mir eben mal die aquamax-Seite angeschaut und bin davon sehr angetan, sowohl was Inhalt als auch die Darstellungsform betrifft.
Ein Zitat der aquamax-Seite:
| Zitat: | | In veralgten Aquarien, Gartenteichen und natürlichen Gewässern mit vielen Algen findet man hohe Sauerstoff- und Redoxwerte, kaum verfügbare (wasserlösliche) Spurenelemente, demzufolge kümmerlichen oder gar nicht vorhandenen Pflanzenwuchs, jedoch regelmäßig große Mengen von Oxidationsprodukten wie Nitrat (NO3-) und Phosphat (PO43-). | .
Warum gibts in Zoohandlungen wenig Blaualgen, bei den von Jörg (zugegebenermassen) vorhanden Bedingungen? Stimmt nicht ganz, ich habe öfter das Problem. Es wird v.a. dann evident, wenn ich eine neue Wasserpflanzenlieferung bekomme und die auf die Becken aufteile, damits hübscher aussieht (und die Fische eine Chance haben . Naja, könnte schon sein dass in den emers gezogenen Töpfen der Gärtnereien jede Menge nitrathaltiger Flüssigdünger enthalten ist, der das Blaualgenwachstum begünstigt. Abhilfe bringt meistens ein grosszügiger TW-Wechsel, v.a. Diatomeen und flächige Grünalgen verschwinden sofort wieder oder werden spürbar weniger nach 50 % TW-Wechseln. Bei durchschnittlichen Nitratwerten von etwa 50 mg / Liter (und sicher auch überhöhten Phosphatwerten) in den Verkaufsbecken ist das für mich DER Beweis dafür dass Nitrat einer der Hauptnährstoffe für Algen JEDER Art darstellt. Selbt die Mädels im Geschäft haben diesen Zusammenhang erkannt und führen jetzt lieber öfter Teilwasserwechsel durch als wöchentlich alle Scheiben der ganzen Aquarienanlage zu schrubben.
Auch die drta-Auswertung finde ich sehr interessant, ich bin mir nur nicht sicher, ob es zulässig ist aufgrund dieser "Daten" eine Aussage zu treffen. Was, wenn der überwiegende Teil der Blaualgengeplagten "neue" Aquarianer sind, die sich mit diesem Problem, das ohne Zweifel häufiger in neu eingerichteten Aquarien auftritt (und damit in nitratärmerem Wasser, weil der "Wasserwechseltrieb" noch sehr ausgeprägt ist), an das Forum wenden?
Ich bin fast versucht dieser Hypothese zu verfallen, auch aus dem Grund, weil die meisten Blaualgenfälle im Bereich zwischen 6-10 mg/l Nitrat liegen, ein Nitratwert, der in dieser Höhe in Deutschland bundesweit "frei Haus" aus der Leitung geliefert wird und sich ohne technische Hilfsmittel und einem gewissen Grundbesatz von Zierfischen auch kaum unter diesem Level halten lässt (und auch nicht sein muss, Anm.). Der Wert könnte durchaus auch höher liegen, genügend Wasserpflanzen und Algen im Aquarium vorausgesetzt wird sich der Gehalt durch den Umbau in Biomasse reduzieren. In der Vermutung bestärkt mich auch die Gewissheit, dass im drta-Forum (oder in jedem vernünftigen Forum) postende erfahrenen Aquarianer oder Autoren bestimmt KEINE mit Fischen überbesetzten Aquarien mit "exzentrischen" Nitrat-Werten betreiben (schon um einen Argumentationsnotstand zu vermeiden) oder eine Erhöhung des Fischbesatzes als probates Mittel zur Algenprophylaxe empfehlen werden, weil die gegenteilige schlechtere Erfahrung sie eines besseren belehrt hat.
Vielleicht ist es nicht zulässig, Blaualgen als Schlechtwasser-Indikatoren zu bezeichnen, dann trifft die Bezeichnung "Gutwasser"-Indikatoren als absurdes Gegenteil genausowenig zu. Tatsache ist, dass Grünalgen und Pflanzen bei Nitratwerten von 25 mg/l nur schlechtes Wachstum zeigen, das wird vermutlich auch bis zu einem gewissen Grad für Blaualgen zutreffen. In diesem "Grenzbereich" verschiebt sich allerdings das Optimum von den Pflanzen weg hin zu wenigen Algenarten (Kieselalgen, Pinselalgen, Blaualgen), vor allem dann, wenn noch zusätzliche Unstimmigkeiten im biologischen Gleichgewicht auftreten. Die Wahl der Algenplage ist dann Zufall.
Ich versuche mich gerade mich mit der Theorie vom Stickstoff als Mangelnährstoff im Aquarium anzufreunden. Ich werfe einige Blicke in Christel Kasselmanns Buch "Aquarienpflanzen" oder in Krauses "Handbuch Aquarienwasser" und auf die dort enthaltenen Analysen der Nährstoffzusammensetzungen und finde keinen Hinweis, dass in natürlichen Pflanzen"paradiesen" Nitrat in höherem Ausmass zu finden ist bzw. in reinsten Quellgebieten mit Pflanzenwuchs Blaualgen jemals in einem signifikanten Ausmass zu finden waren.
Nitrat ist in Cryptocorynenbächen, mit Erlaub, kaum nachweisbar, Blaualgen ebensowenig. Es ist überhaupt kein Pflanzennährstoff im Übermass vorhanden. Es sind vielmehr alle Nährstoffe in geringen oder geringsten Konzentrationen permanent pflanzenverwertbar vorhanden. Das scheint mir ein riesen Unterschied zu sein und passt mit der "je weniger Nitrat, desto mehr Blaualgen"-Schlussfolgerung auch überhaupt nicht zusammen. WAS allerdings von den WW-Freaks unterschätzt werden könnte: Neben der erwünschten Zufuhr von natürlichen Nährstoffen bringt man auch, bedingt durch die Druckleitungen, hohe Sauerstoffwerte schlagartig und systemstörend ins Aquarium ein. Diese Erhöhung des Redoxpotentials im Wasser wirkt algenfördernd (O2-Messreihen von Krause und andere Autoren), weil Minimum-Nährstoff bzw. Spurenelemente"vernichtend" (oxidierend).
Eine Erhöhung des Nitrat-Wertes durch Erhöhung des Fischbesatzes bedingt jedoch einen höheren Sauerstoffbedarf durch die Fische und die nitrifizierenden Bakterien - wie sollte man diesen Sauerstoff zuführen können, ohne das Redoxpotential wieder zu erhöhen (Luftpumpe, Wasserbewegung, Oxidator etc.)? Oder, anders herum gefragt: wie könnte man den erhöhten Gehalt gelösten CO2 bei ausreichender O2-Versorgung für die Fische "drücken", um den Fischen die CO2-Diffusion ("Ausatmen") ohne Stress oder Verlustgefahr zu ermöglichen?
Ein Blick in Amanos Bücher genügt:
- viele Pflanzen
- grosszügige Teilwasserwechsel
- wenige Fische
- Algenfresser
- wenig Wasserbewegung
- Pflanzenfördernde technische Massnahmen
- tägliche (vermute ich mal) Wasserpflanzendüngung mit allen wichtigen Nährstoffen incl. Nitrat und Phosphat, so diese beiden Verbindungen nicht schon im Ausgangswasser vorhanden sind.
= wenig bis kaum Algen.
Im Übrigen kann der Futterwechsel tatsächlich abhilfe bringen. Bei den Qualitäten für Trockenfutter bestehen z.B. hinsichtlich der Phosphatwerte grosse Unterschiede. Viele günstige Fischfuttermittel enthalten einfach viel zu viel Phosphat in der Trockenmasse! Ginge auch nicht anders, bei gleichen oder ähnlichen verwendeten Rohstoffen ist die Reduzierung oder Entfernung arbeitstechnisch aufwändig und kostenintensiv bzw. fallen die höheren Rohstoffpreise phosphatärmerer Futterbestandteile erheblich ins Gewicht. Aber das gehört nicht zum Thread und war nur mal "so" eingeworfen; genauso wie meine (heute abend nicht mehr weiter ausführbare Erfahrung, dass die häufige Verfütterung von gefrorenen Roten Mückenlarven algenfördernd sein kann.
Lg
Jürgen |
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Jürgen Support Team


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Geschrieben: 05.01.2004 - 20:07 Titel: Re: Blaualgen |
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Hi Leo,
| Zitat: | | Was ich bei Deinem Becken nicht und nicht verstehe: Bei so häufigem Wasserwechsel gibt's das wirklich? Das wundert mich, weil ich „aus reinem Bauchgefühl heraus“ bei viel Algen größere Wasserwechsel mache... |
Es ist aber eine Tatsache, dass mit allzuhäufigen Frischwassergaben mit nicht abgestandenem Wasser das Redoxpotential künstlich hoch gehalten wird. Und dieser Messwert ist in veralgten Aquarien IMMER erhöht. IMO ist das eine Aufgabe des Wasseraufbereitungsmittels dafür zu sorgen, dass Kolloide eingebracht werden und die Pflanzennährstoffe, die man mit dem TW-Wechsel einzubringen gedenkt, tatsächlich längerfristig erhalten bzw. dieser (bei Jörg beabsichtigte) Wasserwechsel-Düngeeffekt zum Tragen kommt.
Lg
Jürgen |
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Leo Zoo-Direktor


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Geschrieben: 06.01.2004 - 23:07 Titel: Re: Redoxpotential... |
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Hallo Jürgen!
Heißt das, wenn man Wasser ohne Wasseraufbereiter wechselt, verändert man sein Redoxpotential mehr/stärker als mit Wasseraufbereiter - oder hab' ich das umgekehrt zu verstehen.
Daß abgestandenes Wasser besser wär' ist mir klar, aber wo in einer Wohnung hat man so eine Regentonne Platz bzw. gingen da zur Not auch Kanister, die man offen im Keller stehen läßt? Und beim "Abstehen" geht dann der überschüssige Sauerstoff raus, weil von dem mehr drin ist, wenn das Wasser wie in der Leitung unter Druck steht?
Passiert sonst noch was beim Abstehen lassen? (außer das mit'm Sauerstoff und eine Temperatur-Erhöhung, wenn's ein Wohnraum ist?)
Sehr interessant jedenfalls, das alles...
Liebe Grüße!
Leo |
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Jürgen Support Team


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Geschrieben: 07.01.2004 - 20:39 Titel: Re: Wasseraufbereiter |
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Hi Leo,
| Zitat: | | Heißt das, wenn man Wasser ohne Wasseraufbereiter wechselt, verändert man sein Redoxpotential mehr/stärker als mit Wasseraufbereiter - oder hab' ich das umgekehrt zu verstehen. |
Das hast Du richtig verstanden. Allerdings wird durch Zugabe des W-Aufbereiters das Redoxpotential reduziert, nicht weiter erhöht.
Das Ganze ist recht logisch: der Aufbereiter muss in der Lage sein, Chlor unwirksam zu machen. Und Chlor ist das stärkste Oxidationsmittel, das bei der Wasseraufbereitung in den Wasserwerken verwendet wird.
Resumee: Wasseraufbereiter verringern den Sauerstoffgehalt im Wasser.
Eine Nachfrage bei sera hat ergeben, dass keine Messreihen vorhanden sind, die das ganze prozentmässig in irgendeiner Form nachvollziehbar machen würden; also nach dem Motto: so und so viel Aufbereiter auf x-Liter Wasser verringern das Redoxpotential um x- mV.
Nachdem ich gleich einen der sera-Wasserchemiker am Telefon hatte konnte ich im Gespräch mit Dr. Dahm auch noch weitere Wirkungen von Wasser-Aufbereitern klären, im speziellen Fall für sera aqutan. Diese Thematik hat mich schon länger interessiert, und ich werde hier (auch wenns nicht zum Thread passt) ein bisschen darüber berichten. Die Wirkungen dürften sich im Grossen und Ganzen allerdings auch auf die Produkte anderer Hersteller übertragen lassen.
1. Verminderung des Redoxpotentials: erwünschte Wirkung (Bsp. Chlor); das Redox stellt ein Mass für die Oxidations/Reduktionsfähigkeit des Aquariumwassers dar. Je höher der Sauerstoffgehalt im Becken ist, desto höher ist dieser Wert. Erhöhen kann man diesen Wert mit allen künstlichen Belüftungsmethoden, Rieselfiltern, Eiweissabschäumern, Oxydatoren, Kaliumpermanganat, Ozonisatoren oder eben häufigen Teilwasserwechseln. Im Meerwasser-Aquarium ist ein hoher Wert erwünscht, im Süsswasser-Aquarium ein niedriger Wert notwendig, um das Algenwachstum im Zaum zu halten bzw. den Höheren Pflanzen die Pflanzennährstoffe und Spurenelemente dauerhaft zu erhalten.
Je höher der Redox-Wert ist, desto leichter werden Pflanzennährstoffe oxidiert und sind damit nicht mehr pflanzenverfügbar (klassisches Beispiel: Fe++).
Beim Versuch, Pflanzennährstoffe also mit der WW-Methode (oft und umfangreich wechseln) erreicht man zwar bei gutem Ausgangswasser eine theorethisch kontinuierliche Nährstoffversorgung mit allem was die Wasserpflanzen brauchen, praktisch jedoch siehts so aus, dass die Pflanzen mit einem Teil davon (Spurenelemente) nichts anfangen können, weil Chelatoren fehlen.
Reduzieren kann man das Redox mit einer Erhöhung des Fischbesatzes und damit zusammenhängend der Futtermenge. Insofern stimmt die Passage in Jörgs Posting, dass eine Erhöhung der Fischzahl den Umfang von Algenplagen reduzieren helfen kann. Aber das hat ursächlich mit der Erhöhung des Nitratwertes (= weniger Algen bzw. weniger Blaualgen) gar nichts zu tun, sondern es wirken sich sauerstoffzehrende Filterprozesse aus, die in guten Filtern wieder zu chemischen Reduktionen von (vormals oxidierten) Pflanzennährstoffen führen können. Zudem werden die mit dem Futter eingebrachten Chelatoren weiter dafür sorgen, dass die Nährstoffe besser verfügbar bleiben. Auch die tägliche Gabe von Pflanzendüngern (Dennerle A1 Tagesdünger) wird das Redoxpotential niedrig halten. Angesprochen auf Jörgs Beispiel hat Dr. Dahm in der Folge einen vorhandenen permanenten Nährstoffmangel vermutet, an der auch die Verabreichung von Fetrilon nichts ändert. Er hat in diesem Zusammenhang Justus Liebig und sein Fass-Diagramm zitiert, das - grob inhaltlich wiedergegeben - ein schlechtes bzw. kümmerliches Pflanzenwachstum bei nicht Vorhandensein EINES wichtigen Spurenelementes (z.B. Kalium), auch bei Vorhandensein aller anderen im Übermass, voraussetzt. Diese (Mangel-)Nische in den Ressourcen können Algen mit ihrer grossen Anpassungsfähigkeit sofort nutzen. Man darf in diesem Zusammenhang ja nicht vergessen, dass die Landpflanzen bzw. Wasserpflanzen aus den Algen hervorgegangen sind und ihre Anpassung an bestimmte Wuchsverhältnisse bereits eine EXTREME Spezialisierung darstellt.
2. Chelator-Wirkung: Pflanzennährstoffe werden von grobmolekularen organischen Verbindungen "ummantelt" und damit pflanzenverfügbar gemacht bzw. (eine gewisse Zeit) gehalten. Ethylendiaminsäureester (EDTA, englisch: ethylene diamine tetraacetic acid) sind in einer Konzentration von 0,8 % in sera aqutan enthalten.
3. Methylenblau: der blaue Farbstoff wirkt allgemein desinfizierend; mir bekannte Wirkungen: pilzhemmend, bakterienhemmend, einzellerhemmend. Nebenbei verbessert Methylenblau die Sauerstoffkapazität der roten Blutkörperchen.
Fischen, die stressbedingt einen erhöhten Stoffwechsel aufweisen (Transport), wird also die O2-Versorgung "erleichtert". Bei einer Konzentration von 0,0002 % scheint mir allerdings die Hauptaufgabe des Methylenblaus die Färbewirkung des Aufbereiters selber zu sein, damit die Leute nicht "nur" eine klare Flüssigkeit ins Becken füllen.
Dieses Einfärben des Aufbereiters findet sich bei allen Herstellern, es hat sich sozusosagen so "eingebürgert", dass Aufbereiter bläulich sein müssen.
4. Kolloide: organische grobmolekulare Verbindungen, die dem Aufbereiter als "Schleimhautschutz" (bei einigen Herstellern gleich "fühlbar") beigefügt werden.
Sie fehlen im Lebensmittel Leitungswasser vollständig, es macht also durchaus Sinn, sie bei umfangreicheren TW-Wechseln künstlich zuzuführen. Diese Kolloide sind für den schönen seidenweichen "Glanz" eines gut eingelaufenen Aquariums verantwortlich. PVP ist in sera aqutan in einer Konzentration von 0,8 % enthalten. Auch viele Aquarienwurzeln oder Torf sondern Kolloide ab, auch im "Mulm" sind jede Menge Kolloide drin, weshalb ein wenig davon absichtlich im Becken belassen den Mini-System Aquarium sicher nicht schaden wird.
5. Vitamine: Vitamin B1 wirkt stressmindernd. Nachdem ein Teilwasserwechsel zunächst immer einen Stressfaktor darstellt, ist auch die Zugabe von Vitamin B1 mit dem Aufbereitungsmittel nicht ganz verkehrt, wenngleich dieser Zusatznutzen (zusätzlich mit dem Methylenblau) beim Fischtransport sinnvoller und nützlicher zu sein scheint. Dass der Aufbereiter "mehr" können muss als nur das Wasser "aufzubereiten" hat ursächlich mit dem Konsumenten und dessem Kaufverhalten zu tun: in der Tiernahrungsbranche (und auch im LEH) nennt man das "Functional Food". Vereinfacht gesagt: es genügt nicht, die Katze gesund zu ernähren, es muss auch noch eine biologische Faser her, damit die verschluckten Haare hinten raus gehen. Oder, noch besser: Nimm 2, Naschen UND Vitamine (naschen alleine genügt nicht, naschen muss auch gesund sein). Die logische Entwicklung dieser "Wasseraufbereiteritis" endet erschöpfend im Produkt "Easy Life", ein Wasseraufbereiter, der gleichzeitig "wichtige" gute Bakterien enthält und auch noch als Heilmittel herhalten soll. Über die Sinnhaftigkeit solcher Produkte liesse sich dann tatsächlich endlos diskutieren.
Der Rest eines Wasseraufbereitungsmittels, nämlich in diesem Fall sera aqutan, ist Wasser (98,3198 %).
Die anderen Hersteller schweigen sich über ihre verwendeten Inhaltsstoffe (leider) aus. Das ist schade. Schliesslich gibt es Leute, die auf Wasseraufbereitungsmittel mit Kontaktallergien reagieren.
Ich bin sicher kein Aufbereiter-Freak, aber die Mittelchen haben ihre Berechtigung in der Aquaristik, vor allem wenn viele und umfangreiche Tw-Wechsel durchgeführt werden.
Lg
Jürgen |
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Jürgen Support Team


Mit dabei seit: 31.01.2003 Beiträge: 1213
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Geschrieben: 07.01.2004 - 20:45 Titel: Re: Wasser abstehen lassen |
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Hello,
| Zitat: | | Passiert sonst noch was beim Abstehen lassen? (außer das mit'm Sauerstoff und eine Temperatur-Erhöhung, wenn's ein Wohnraum ist?) |
Hmm... das Wasser entgast, gibt also in der Druckwasserleitung künstlich aufgenommene Gase ab. Wenn mans lange genug stehen lässt dürfte auch Kesselstein ausfallen und die variable Härte damit geringer werden. Auch der pH-Wert sollte etwas sinken, aber das ist vom jeweiligen Ausgangswasser abhängig. Andere Wirkungen fallen mir nicht ein.
Lg
Jürgen |
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Jörg Grosswildjäger


Alter: 38 Tierkreiszeichen:  Mit dabei seit: 22.10.2003 Beiträge: 50
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Geschrieben: 10.01.2004 - 12:51 Titel: |
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Hallo Jürgen !
Ich muß Dir an dieser Stelle ein sehr großes Lob aussprechen daß Du Dich da so voll ins Zeug wirfst und gleich bei Sera nachfragst ! Mich wundert nur daß Sera die Zusammensetzung seiner Produkte nicht von vornherein auf den Packungen angibt, der wenige Platz wird dafür wohl noch vorhanden sein und so kauft man nicht die "Katz im Sack".
Jedenfalls kann ich vom vorläufigen (?) Verschwinden der Blaualgen nach 7 Tagen Dunkelheit berichten, die Pflanzen haben’s einigermaßen überstanden, nur Hygrophila difformis hat massiv Blätter verloren, aber die wachsen schnell wieder nach. Es liegt also am selbstverursachten Redoxproblem ? Wird mir immer plausibler....
Es scheint zumindest daß mein geplantes Konzept durch viele tägliche TWW ein möglichst konstantes Niveau an Mikro- und Spurenelementen anzubieten, den Hauptnährstoff Eisen via Fetrilon (Eisen und EDTA), N und P aus dem Futter, so, zumindest in dieser Beckenkonstellation, nicht aufgeht. Ich werde jetzt bescheidenst weiter füttern, um nicht mehr Phosphat einzubringen als nötig, und die WW nur mehr 1x pro Woche durchführen.
Die anderen Hersteller schweigen sich über ihre verwendeten Inhaltsstoffe (leider) aus. Das ist schade. Stimmt, aber einer (ein Chemiker) ist mir schon bekannt der >grundsätzlich< alle Bestandteile angibt, und da ist im Aufbereiter pro liter:
20 ml Aloe vera Schleimhautschutz, Mineralien, Vitamine
9g Carboxymethylcellulose Schleimhautschutz
7,5 g Tannin(säure) Ansäuerung, Färbung
5,625g Kaliumsulfat ?
5 g Ascorbinsäure(=Vit.C)
Ansäuerung, gegen freies Chlor (falls überhpt.vorhanden !), wirkt stark reduzierend, für Fische nicht essentiell
1,23 g Magnesium-heptahydrat als Bindestelle der Chelatoren bei Ionenmangel
1 g Methylparaben Konservierungsmittel
0,5 g Dexpenthanol für Hautheilung
490 mg DTPA Komplexbildner für Schwermetallionen
465 mg EDTA ---
350 mg HEEDTA ---
240 mg NTA ---
262 mg Kaliumjodid Förderung der Laichbereitschaft ? (vgl Tetra Produkte)
61 mg Lithiumchlorid ?
Vit, B1, B6,Niacin je 100mg Schleimhautschutz
Vit B2 50mg
Vit.B12 5mg
© Bestandteile: Dr.Andreas Kremser. Um Funktionen ergänzt.
Falls es jemand nachkochen will ! Auch hier wieder die ähnliche Zusammensetzung wie beim Sera Aquatan (nur genauer) Falls es dieses Produkt beim Jürgen zu kaufen gäbe, würd ich gleich zuschlagen ... Bisher war ich ja eher davon überzeugt daß Aufbereiter „nur“ das Chlor entfernen und da in Tirol so gut wie keins vorhanden ist hab ich mir deren Verwendung gespart. Umdenken !
Als Sofortmaßnahme werde ich jetzt jedenfalls das Wechselwasser abstehen lassen. Das verhindert zumindest ausperlende Luftblasen im Wasser.
Über den Amano hab ich mir auch schon Gedanken gemacht. Früher war ich von seinen Ideen und Einrichtungsvorschlägen begeistert, aber ich glaub inzwischen nicht mehr daß man nur durch unbedingte Kopie seiner Ideen zum Erfolg kommt. Außerdem hat er ja Wahnsinnspreise, wer 40 Euro für eine Edelstahlspachtel zum Sandglätten zahlt, dem gebührt ein schönes Platzerl in Hall (nicht bei dir Leo, im PKH) ;
Die angesprochenen Aspekte
- viele Pflanzen mittelmäßig viele Pflanzen
- grosszügige Teilwasserwechsel ja
- wenige Fische na ja, ja!
- Algenfresser jaaaa !
- wenig Wasserbewegung ja
- Pflanzenfördernde technische Massnahmen nein
- tägliche (vermute ich mal) Wasserpflanzendüngung mit allen wichtigen Nährstoffen incl. Nitrat und Phosphat, so diese beiden Verbindungen nicht schon im Ausgangswasser vorhanden sind. nein
= wenig bis kaum Algen.
Hab ich ja versucht großteils umzusetzen. Nicht alle von Amanos wunderbar fotographierten Becken eignen sich IMO auch für den Nachbau. Vor allem die kleinen Becken (<80l) machen auf mich immer wieder den Eindruck, sie wären nur für den Fototermin hergerichtet und maßlos überbesetzt. Außerdem verwendet er Meersand und ist ein Anhänger der massiv Starklichttechnologie. Es muß doch anders auch gehen !
Wie die das in den Wasserpflanzengärtnereien so hinkriegen, ohne daß dort mit massiver Chemie gegen Algen vorgegangen werden muß ist mir auch noch unklar. Ich war ein paar Mal im Glasgewächshaus bei einem Fisch- und Pflanzen- Importeur in OÖ, dort wird viel emers gezogen (Echinodoren,Cryptos), das stärkt die Pflanzen wohl auch, von CO2 hab ich nichts gesehen, Düngung auch nicht (aber das werden sie nicht machen wenn Kunden da sind), Beleuchtung war Tageslicht (das man ja zur Algenprophylaxe vermeiden soll), und in den Becken (40 cm lange Betontröge mit Sand und Zentraler Fußbodenheizung) waren hunderte Zebrabärblinge, die aus einem geplatzten Transportsack stammen und sich bei tausenden liter Wasser und zigtausend Blätte auch nimmer rausfangen ließen.. . Jedenfalls keine komplett fischfeindlichen Hochdosierungen von Dünger oder CO2. Leider darf man da nimmer rein...
Liebe Grüße, Jörg |
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Jürgen Support Team


Mit dabei seit: 31.01.2003 Beiträge: 1213
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Geschrieben: 25.01.2004 - 15:53 Titel: Re: Blaualgen und noch einiges mehr im Thread |
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Hallo,
Um im Zusammenhang mit dem Posting betreffend der Wirkungen von Wasseraufbereitern - und der dort festgestellten sauerstoffvermindernden Kapazität bei der Verwendung - nicht den Schluss aufkommen zu lassen, dass Sauerstoff für ein gesundes Pflanzenwachstum schädlich ist, möchte ich das Thema etwas ergänzen. Dabei habe ich mir erlaubt, einige Textpassagen aus dem Buch "Aquarienpflanzen" (Ulmer, 1995) von Christel Kasselmann zu zitieren
Ich habe aus dem Thread einige Punkte rausgepickt, die mir erklärungsbedürftig erscheinen oder eine Korrektur benötigten.
1.) Veralgte Becken weisen oft ein zu hohes Redoxpotential auf, i.d.R heisst das, dass zuviel Sauerstoff im Becken ist. Wenn das Pflanzenwachstum mangelhaft ist, kann eine Ursache die Verwendung von Oxydatoren, Luftpumpen, Diffusoren oder ein zu häufiger Tw-Wechsel sein. Wenn das Pflanzenwachstum gut ist, ist die Ursache die erhöhte Sauerstoffproduktion der Pflanzen selber. Im anderen Fall können natürlich auch die Algen selber für den hohen Sauerstoffgehalt verantwortlich sein, denn auch Algen assimilieren stark und können erhebliche Sauerstoffmengen produzieren.
Treten im Falle zufriedenstellenden Pflanzenwachstums dennoch Algen in einem Mass auf, dass daraus optisch und biologisch in der Folge ein Problem wird, profitieren beide Konkurrenten von den augenblicklich im Aquarium herrschenden Ressourcen, wobei die weitere Förderung der Pflanzen durch Zugabe möglicherweise fehlender Spurenelemente, einer Temperatursenkung oder Lichtoptimierung, erreicht, oder - bei hergestelltem Optimum und einem gleichzeitigen Algenproblem - die Algenplage selber durch Einsetzen einer grösseren Zahl algenfressender Fische oder Garnelen reduziert werden kann.
2.) Die Verwendung von Wasseraufbereitern zur Senkung des Redoxpotentials bzw. des Sauerstoffgehaltes stellt auf Dauer eine ungeeignete Massnahme dar. Die Redox-reduzierenden Eigenschaften der Wasseraufbereitungsmittel ergibt sich aus der Notwendigkeit, evt. vorhandenes Chlor zu binden, das als starkes Oxidationsmittel Verunreinigungen des Trinkwassers durch Bakterien, Pilze, Viren oder anderen organischen Verbindungen verhindern soll. Sauerstoff ist Leben, und es spricht alles dagegen, den Sauerstoffgehalt künstlich zu senken. Positiv auf die Pflanzenverfügbarkeit der mit dem Tw-Wechsel eingebrachten Nährstoffe wirkt sich allerdings der Umstand aus, dass mit dem Aufbereitungsmittel auch Chelatoren eingebracht werden, die eine fortschreitende Oxidation der Nährstoffe verhindern bzw. die Nährstoffe überhaupt erst pflanzenverfügbar machen.
3.) "Die Atmungsaktivität höherer Wasserpflanzen ist ahängig vom Sauerstoffgehalt des Wassers. Die Pflanzenatmung sinkt bei fallender O2-Spannung, während ein mit Sauerstoff übersättigtes Wasser zu einer deutlichen Atmungssteigerung der Wasserpflanzen führt. Ebenso verhält sich die Atmung der Wurzeln, für die der Sauerstoffgehalt schnell zum begrenzenden Faktor werden kann, weshalb eine gute Durchlüftung des Bodengrundes gewährleistet sein muss. Da die Atmungsintensität einer Pflanze ein Indikator für ihre Stoffproduktion, d.h auch für ihre Wachstumsgeschwindigkeit ist, wirkt sich ein hoher O2-Gehalt des Aquariumwassers günstig aus" (Kasselmann).
4.) "Nährstoffmangel kann sowohl bei niedrigen als auch bei hohen Sauerstoffwerten auftreten. Der Sauerstoffgehalt mehrerer Aquarien wurde mittels Oxydatoren künstlich erhöht und diese Aquarien über mehrere Jahre hinweg beobachtet. Es wurde nicht nur ein sichtbar besseres Pflanzenwachstum beobachtet, sondern es entstand zusätzlich der positive Nebeneffekt, dass ein Blaualgenwachstum in mehreren Fällen gänzlich unterbunden wurde. Dieser Zusammenhang ist eindeutig, die Gründe hierfür sind aber noch unklar. In den untersuchten Aquarien war nur eine gelegentliche Düngung (höchstens alle 4 Wochen) erforderlich, die nicht infolge einer Nährstoffoxydation, sondern durch einen verstärkten Nährstoffverbrauch aufgrund des guten Wachstums der Pflanzen notwendig wurde. Eine Reduktion ausgefällter Nährstoffe sowie eine bessere Verfügbarkeit von Pflanzennährstoffen erfolgt nur bei derart niedrigen Sauerstoffwerten, die für alle Organismen im Aquarium gefährlich und vielfach sogar tödlich sind. Die heutigen Dünger für Wasserpflanzen enthalten Chelatoren (Komplexbildner), die leicht oxydierende Nährstoffe binden." (Kasselmann)
5.) "Ein hoher Sauerstoffgehalt in einem Pflanzenaquarium erfordert eine häufigere Zufuhr von Nährstoffen. Dieses wird aber im wesentlichen durch ein optimales Gedeihen der Pflanzen, das eine erhöhte Nährstoffaufnahme zur Folge hat, bedingt, weniger durch eine Ausfällung von Nährstoffen. Eine Sauerstoffreduzierung bedeutet immer eine Verschlechterung der Milieubedingungen für alle Organismen. Deshalb sind alle Massnahmen, die eine absichtliche Senkung des Sauerstoffgehaltes herbeiführen, gefährlich, unbiologisch und unbedingt abzulehnen." (Kasselmann)
Im von Jörg eröffneten Thread, in dem es ursprünglich um das Problem der Blaualgen ging, versuche ich mal eine Zusammenfassung in der Art, dass es unter den Bedingungen in Jörgs Aquarium nicht mehr zu einer Algenplage kommen könnte.
1.) Das Einsetzen zusätzlicher Fische als CO2-Produzenten scheint nicht sinnvoll, weil eine CO2-Düngung betrieben wird und die Fische als O2-Konsumenten den Sauerstoffgehalt vermindern.
2.) Der häufige Tw-Wechsel und die damit beabsichtigte permanente Düngung der Wasserpflanzen wird nur dann funktionieren, wenn die Nährstoffe auch pflanzenverfügbar gemacht bzw. gehalten werden (Wasseraufbereiter). Ansonsten entstehen Nährstofflücken, die die Pflege raschwüchsiger Pflanzen unmöglich macht oder stark erschweren kann. Findet eine Zugabe von Chelatoren statt oder ist der Fischbesatz entsprechend hoch, dass Chelatoren aus mikrobiologischem Abbau von Fischfutterresten oder Pflanzenresten (Mulm) oder Reduktionen im biologischen Langsamfilter entstehen, könnte ein Überangebot an pflanzenverfügbaren Nährstoffen entstehen, wenn sich der Pflanzenwuchs aus Arten zusammensetzt, die überwiegend aus langsamwüchsigen Arten bestehen. In diesem Fall könnten Algen von diesem Nährstoffüberangebot profitieren. Abhilfe sollten in diesem Fall raschwüchsige Stängelpflanzen bringen.
Dass es bei Jörg Blaualgen geworden sind und keine Schwebealgen oder Einzellertrübung mag Zufall sein. Die häufigen Tw-Wechsel stabilisieren das Aquarium langfristig in der Weise, als keine andere Algenart durch angehäufte Nitrate oder Phosphate ein Wuchsoptimum finden kann. Kurzfristig jedoch verändern sich die Wasserwerte beim häufigen Tw-Wechsel. Wenn man davon ausgeht, dass Blaualgen Instabilitäten in der Wasserchemie und damit biologische (auch kurzfristige) "Ungereimtheiten" rascher ausnützen können als alle anderen pflanzlichen sesshaften Algenarten könnte das vielleicht der Grund sein, dass es zu einer Blaualgenvermehrung gekommen ist.
Lg
Jürgen |
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